Vorgeschichte
Schon lange hatte ich vor, mir irgendwann mal ein neues, besseres Grafiktablett als mein kleines Wacom Volito zu kaufen. Das Volito war ja ein nettes und günstiges Spielzeug, aber um damit ernsthaft zu arbeiten war es doch etwas klein und ungenau.
Letzte Woche fiel dann beim Schlendern durch Saturn mein Blick zufällig auf diverse Tabletts und ich beschloss spontan, dass die Zeit nun reif wäre, endlich zuzuschlagen. Beinahe hätte ich direkt an Ort und Stelle ein Tablett gekauft, hab dann aber doch erstmal noch am Wochenende ein wenig die Modelle verglichen.
Anfangs schwankte ich noch zwischen dem mittelgroßen Wacom Bamboo mit Multitouch-Funktionalität und dem kleinen Wacom Intuos4, beide im Preissegment um 200€. Schließlich habe ich mich dann doch für eine höhere Preisklasse entschieden: Multitouch für das Tablett ist ja nett, aber nicht wirklich wichtig, und wenn ich dann zum Intuos4-Modell greife, so kann ich ja gleich eins nehmen, das auch ein deutliches Größen-Upgrade im Vergleich zu meinem Volito ist. So bin ich dann beim Intuos4 Medium gelandet. Für knapp 330€. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Am Wochenende habe ich dann per Amazon bestellt und am Dienstag kam das Paket „endlich” per Post. Ich hab den ganzen Tag gespannt auf die Post gewartet – wie ein kleiner Junge, der auf die Bescherung an Weihnachten wartet.
Das Gerät im Test
Das Intuos4 kommt in einer eleganten, schwarzen Verpackung daher, die man später eventuell auch noch gut als Transport-Box nutzen kann. Das Tablett selbst ist größer als erwartet, denn neben der aktiven Zeichenfläche gibt es noch eine große, abgerundete Ablagefläche für Hand und Arm. Das macht das Arbeiten angenehmer, frisst aber auch viel Platz auf dem Schreibtisch. Ich werde das Tablett wohl nicht dauerhaft auf meinem Schreibtisch liegen lassen, sondern meist nach Gebrauch irgendwo verstauen.
Die Zeichenfläche ist deutlich größer als beim Volito, was wirklich einen spürbaren Unterschied beim Arbeiten bewirkt. Die erhöhte Präzision macht einfach Spaß. Die Oberfläche des Tabletts ist rauer und vermittelt den Eindruck von Papier, was zunächst gewöhnungsbedürftig, aber durchaus angenehm ist.
Das Tablett wirkt robust und sieht ziemlich schick aus. Neben der Zeichenfläche gibt es 8 individuell belegbare Funktionstasten mit OLED-Displays und einen Touch Ring, mit dem man schnell 4 umschaltbare Funktionen wie Zoomen, Scrollen oder das Verstellen der Pinselgröße anwenden kann. Alle Funktionen sind frei konfigurierbar, global oder programmspezifisch, worum man aber auch nicht herum kommt, weil die Standardbelegung weder sinnvoll ist, noch bei allen Programmen funktioniert.
Ärgernisse
Die ersten Eindrücke vom Intuos4 sind toll, aber es gibt leider auch eine Reihe von Problemen, die diesen Eindruck wieder trüben.
Es beginnt schon damit, dass man bei der Installation auswählen kann, ob man das Tablett links- oder rechtshändig benutzt, diese Auswahl dann aber ignoriert wird. Bei mir als Linkshänder hat das zur Folge, dass ich das Tablett „falsch herum” halte und die Beschriftung der Tasten auf dem Kopf steht. Man muss das von Hand im Konfigurationsprogramm einstellen und dort ist die entsprechende Option so gut versteckt, dass ich sie beim ersten Mal Suchen nicht fand und das Problem durch eine (erfolglose) Neuinstallation des Treibers zu lösen versuchte.
Apropos Treiber: Als ich den neusten Treiber heruntergeladen und installiert hatte ging mein Tablett plötzlich gar nicht mehr. Mehrmaliges, abwechselndes Neuinstallieren des neusten, zweitneusten und alten Treibers konnte das Problem nicht beheben, bis es plötzlich irgendwann von alleine doch wieder ging. Keine Ahnung, was da los war.
Erst nach dem Kauf habe ich in diversen Foren gelesen, dass die neue, papierartige Oberfläche des Intuos4 zu wesentlich stärkerer Abnutzung an den Nibs, den Kunststoffspitzen des Stiftes, führt, wodurch man diese viel häufiger auswechseln muss. Zwar liegen dem Tablett 10 Nibs bei, aber auch die halten nicht ewig und neue Nibs sind verhältnismäßig teuer. Bei alten Modellen hält ein Nib mehrere Jahre, beim Intuos4 hingegen gibt es Horror-Geschichten von Nibs, die bereits nach wenigen Tagen Dauernutzung unbrauchbar sind. Und tatsächlich, auch meine Stiftspitze zeigt bereits eine kleine, aber deutlich sichtbare Abflachung an der Spitze. Ich glaube zwar nicht, dass ich jetzt alle paar Wochen neue Nibs kaufen muss, aber der Abnutzungsgrad ist schon überraschend.
Und letztendlich ist da noch das Problem mit dem Software-Download: Mit dem Tablett kauft man auch Software, wahlweise Autodesk SketchBook Express 2010, Corel SketchPad oder Adobe Photoshop Elements 7. Das ist nicht nur ein Bonus, sondern fester Bestandteil des Produkts und mit ein Grund für den hohen Preis. Ich hatte von Anfang an eingeplant, dass ich Photoshop mit dem Tablett zusammen erwerbe, aber leider geht der Download momentan nicht. Am ersten Tag passierte beim Anklicken des Download-Links einfach gar nichts, mittlerweile gibt es wenigstens einen Hinweis darauf, dass es nicht geht. Seit Tagen warte ich jetzt auf mein Programm und der Support antwortet mir nicht auf meine Anfrage, wann der Download denn wieder verfügbar ist. Das regt mich schon ein wenig auf.
Fazit
Ein tolles Gerät mit einer Reihe ärgerlicher Macken.